Neustadt an der Weinstraße -die Standortbezeichnung der am Eingang des Pfälzer Waldes gelegenen Klein- und Weinstadt spricht für sich – steht vor allem für Genuss und Gemütlichkeit. Beide Begriffe, die mit dem Anlass der „Dienstfahrt“ der beiden LG-U20-Athleten Jonas Klink und Damian Rychlicki dorthin – die pfälzischen Mehrkampfmeisterschaften – nur sehr wenig gemein haben. Auch wenn man dem Geistesgetränk nicht unbedingt Blut und Tränen gegenüberstellen muss, zumindest aber der Schweiß floss im Rahmen des absolvierten Fünfkampfes auch bei den beiden Doppelstädtern reichlich.
Damian Rychlicki gab nach Abschluss der Sprintsaison seiner Neugier auf die Leichtathletik nach und bereitete sich im Schnellverfahren auf die vier ihm unbekannten Disziplinen vor. Mit entsprechender Lockerheit widmete er sich im frisch renovierten Schöntal-Stadion dieser Aufgabe, die mit seiner Spezialdisziplin, den 100m, begann. Was eine Mischung aus Entspanntheit und Freude auslösen kann, zeigte Damian par excellence. So gelang ihm gänzlich unerwartet, seinen beim heimischen Stadionfest aufgestellten LG-Rekord um weitere 2/100tel auf nunmehr 11,32sec zu drücken, womit er sich sogar an die Spitze des Feldes setzen konnte. Doch wie der Mehrkampf spielt, folgte im nachfolgenden Weitsprung die Ernüchterung auf den Fuß. Dieser war beim ersten Versuch knapp über dem Absprungbrett und trotz des weiten Satzes blieb nur der Ausspruch des Kampfrichters: „ungültig“. Als Mehrkampf-Laie ließ sich Damian verunsichern, so dass auch der zweite Versuch misslang. Es blieb noch eine Möglichkeit, bei der Damian dann extrem weit vor dem Brett absprang, den Sprung nicht komplett durchzog und letztendlich mit 4.09m in die Wertung ging. Dass der Mehrkampf immer wieder neue Chancen bietet, bewahrheitete sich im Kugelstoß. Mit 9.14m beförderte er das 6kg-Gerät auf eine bisher nicht dagewesene Weite. Davon geradezu beflügelt schwebte er im nachfolgenden Hochsprung über für ihn nahezu unmögliche 1.53m. Damit stand Damian persönlicher Marathon vor der Tür: die 400m. Diese belastende Strecke ging er auf den ersten 200m mit gehörigem Respekt an, ehe er noch einmal seine verborgenen Energiequellen anzapfte und schließlich nach 58,80sec die Ziellinie überquerte. Die Arbeit war getan, mit 2370 Punkten stand er trotz seines Fauxpas beim Weitsprung voller Freude im Zielbereich und vollem Drang zu neuen Taten.
Wie lief es bei Jonas Klink? Nach einer sehr unsteten Saison zeigte der Mehrkämpfer schon zu Beginn der Late-Saison aufsteigende Form. In Neustadt startete er mit einer 100m-Zeit-Bestzeit, die am Ende erstmals eine 12 vor dem Komma sah. Die 12,99sec verliehen auch Jonas entsprechende Flügel, die ihn im Weitsprung gleich 32cm weiter als jemals zuvor entfernt vom Absprungbrett in der Grube landen ließ – 5.28m zeigte das Ergebnisprotokoll. Auch im Kugelstoß konnte er nach einer verbesserten technischen Umsetzung im zweiten Versuch mit 7.58m seinen Ansprüchen genügen. Selbstbewusst legte er im folgenden Hochsprung mit 1.59m seine Anfangshöhe gleich 3 cm über seiner Bestleistung fest, was in Teilen des Betreuerteams zu entsprechendem Bauchgrummeln führte. Jonas wischte alle Bedenken beiseite und übersprang seine neue Besthöhe im ersten Versuch. Denkbar knapp waren seine Versuche bei 1.62m, diese dürfte in naher Zukunft keine große Hürde mehr darstellen. Auch Jonas widmete sich dann der gefürchteten Stadionrunde, die er abschließend erstmals unter der Minutenmarke absolvierte. Mit einer Tempoverschärfung bei 300m sicherte er die letztendlich 59,48sec ab. Jonas gelang es gegenüber seiner bisherigen Fünfkampf-Bestleistung – trotz der schwereren Kugel – mehr als 200 Punkte draufzupacken. Mit Blick auf den Zehnkampf lässt das Ergebnis auf ein aussichtsreiches 2027 hoffen, dies auch vor dem Hintergrund, dass Jonas einen deutlich stärkeren zweiten Tag (110 Hürden, Diskus, Stab, Speer, 1500m) hat. Bevor die Sommersaison jetzt endgültig Geschichte ist, wird Jonas zusammen mit Jonathan Wirths am 26.9. noch einmal beim Herbstmeeting in Limburgerhof im Stabhochsprung an den Start gehen.
