You are currently viewing Laura Brandner mit LG-Rekord, Karla Foos im Hessen-Trikot, Jonathan Wirths Vize-Hessenmeister

Laura Brandner mit LG-Rekord, Karla Foos im Hessen-Trikot, Jonathan Wirths Vize-Hessenmeister

Voll gepackt im Zeichen der Leichtathletik war für einen Teil der Stabhochsprung-Trainingsgruppe das vergangene Wochenende. Zum einen für Karla Foos, die in Aichach bei Augsburg – ein Tag vor ihrer Konfirmation – ihren ersten Länderkampfeinsatz für Hessen gegen Kontrahentinnen aus Baden Württemberg und Bayern bestritt. Hier waren nicht zuletzt auch die knapp 700 Reisekilometer Teil der Prüfung, die Karla unbeeindruckt ließ. Die 14Jährige ist in dieser Saison eine Bank an Beständigkeit, gelang es ihr doch zum wiederholten Male, die 2.40m zu meistern und damit zum Gesamtpunktergebnis für Hessen beizutragen. Es siegte die Deutsche U16-Meisterin Joy Kessler von der LG Neckar-Enz. mit 3.30m. Der Stabhochsprungwettkampf blieb ganz überraschend nicht Karlas einziger Einsatz an diesem Nachmittag, als Ersatzläuferin trug sie zusätzlich als Mitglied der 3x800m-Staffel mit dazu bei, dass letztendlich die hessische Mannschaft auf Platz 2 den Wettkampf abschloss.
Gleich über zwei volle Wettkampftage wilderten Laura Brandner und Jonathan Wirths in Sieben- bzw. Zehnkampfgefilden. Schon lange geplant hatten die beiden Stabhochsprungspezialisten den Ausflug in die jeweilige Königsdisziplin der Leichtathletik. Nach Darmstadt rief der Hessische Leichtathletik-Verband zu seinen Landestitelkämpfen im Mehrkampf. Für beide LG-Aktive bedeutete eine Vielzahl von Disziplinen Neuland im Wettkampf, im Training hatte man sich in wenigen Trainingseinheiten erste Bewegungseindrücke verschafft. Laura Brandner kämpfte sich zu Beginn ihres Siebenkampfes bravourös durch den 100m langen Hürdenwald, nach 18,51 sec durchquerte Sie die Lichtschranke. Gleich um 10 cm verbesserte sie ihre persönliche Bestleistung im Hochsprung au 1.35m, wobei der höchste Sprung im dritten Versuch über 1.38m gelang, es Laura dabei aber versäumte, nach fast vollständiger Überquerung noch die Fersen rechtzeitig anzuziehen. Eher unterdurchschnittlichen 5.99m im Kugelstoßen folgten zum Abschluss des ersten Tages sehr solide 28,76 sec in ihrem ersten 200m-Lauf überhaupt. Jonathan Wirths eröffnete mit ansprechenden 11,89 sec über 100m und ließ darauf 5.82m im Weitsprung folgen. Über 7.88m mit der 7,26kg schweren Kugel sollten übersprungene 1.72m im Hochsprung die notierte Höhe bleiben, eine kleine Enttäuschung. Typisch Zehnkampf, nach Regen kommt Sonne und über die mörderischen 400m zum Ende des ersten Wettkampftages gelang es Jonathan seine bisherige Bestzeit um annähernd eine Sekunde auf 57,17 sec zu drücken.
Laura startete in den Sonntag mit einem guten Weitsprung, der sie auf 4.44m trug und sie zum ersten Mal etwas genauer auf den bestehenden LG-Rekord schielen ließ, den Steffi Stark just an selber Stelle, allerdings vor 28 Jahren, mit 2607 Punkten im Rahmen der Hessischen Meisterschaften 1993 aufstellte. 16.43m mit dem Speer ließen zur Gewissheit werden, für den Rekord musste Laura die abschließenden 800m knapp sieben Sekunden schneller als ihre vier Jahre alte Bestleistung von 3:17 laufen. Ein Plan wurde geschmiedet, das Helferteam zur Zeitansage postiert und siehe da, mit nicht für möglich gehaltenen 3:03,71 min gelang es Laura abschließend, den LG-Rekord um 104 Punkte auf 2711 zu schrauben was ihr gleichzeitig Rang fünf einbrachte. Für Jonathan begann der technische zweite Tag mit einer Irritation, lief er doch mit einem zusätzlichen Schritt zur ersten Hürde des 110m-Hürdenlaufes, sodass er fortan mit dem weniger geschulten Bein seine Überquerungen der Hindernisse einleitete, bis auch dieser Rhythmus abbrach. Trotz der Umstände stoppte die Uhr schon nach 18,67 sec, was ihn zuversichtlich gen Diskuswurf blicken ließ. Die sollte sich jedoch schnell ändern, wurden die ersten beiden Versuche mit der 2-Kilo-Scheibe mit der roten Flagge der Kampfrichterin quittiert. Ein Standwurf auf sichere, aber eben auch kurze 20.15m ließ zumindest noch eine halbwegs vertretbare Punktzahl dem bisherigen Konto zufügen, die Null stand jedoch kurz bevor. Ganz nach Ashton Eaton, Ex-Zehnkampf-Weltrekordler und 2012 Gaststarter bei „Meet The Champions“ im Mörfelder Waldstadion, von dem frei übersetzt überliefert ist: „Zehnkampf ist wie das Leben. Auf Höhen folgen Tiefen und man hat immer wieder eine Chance, wieder eine Höhe zu erreichen, eine bessere Lebensschule gibt es nicht“. Diesem Leitgedanken folgend widmete sich Jonathan seiner Paradedisziplin. Im Stabhochsprung also sicherte er mit 3.80m eine erste Höhe und damit ausreichend Punkt ab, ließ 3.90m aus und – entgegen den letzten Wettkämpfen – meisterte erstmals in dieser Saison souverän die 4.00m. Der folgende Stabwechsel erwies sich allerdings nicht als Stabilisator, sodass die 4.10m an diesem Tag zu Buche standen, ein erfreulicher Tatbestand, wenn auch die gelungenen Sprünge auf deutlich mehr Potenzial hinwiesen. In der vorletzten Disziplin, dem Speerwerfen, wartete Jonathan bis zum 3. Versuch um seine – wenn auch bescheidende – Bestleistung um knapp 1.5m auf 28.79m zu verbessern. Die Zeit nach dem letzten Wurf bis zum Start des 1500m-Marathons ist bei Zehnkämpfern verhasst und löst teil surreale Gedanken bei den Aktiven aus. Gut, wenn dann der Startschuss ertönt und jeder seinen eigenen Tunnel durchläuft. Jonathan begann diesen gefürchteten Lauf mutig, konnte aber nach 400m nicht mehr die berechneten 100m-Zwischenzeiten halten. So benötigte er für seinen ersten Lauf dieser Länge abschließend 5:34,57 min, was in Addition mit den anderen neun Disziplinen eine Endpunktzahl von 4669 ergab. Womit keiner gerechnet hatte, am Ende reichte es für Jonathan aufs Podium, wo er zum frischgebackenen Vize-Hessenmeister gekürt wurde.
Dieser erfreuliche Saisonabschluss mit glücklichen Sportler*innen erfährt noch einen kleinen Nachschlag. Am ersten Oktoberwochenende versucht der im Sommer lange verletzte Gabriel Wirths seinen zweiten Stabhochsprungwettkampf nach der Zwangsauszeit. Im badischen Mosbach hat er eine Attacke auf seine persönliche Bestleistung geplant. Dies wird dann der letzte Auftritt der TG Stab für diese Saison sein, einer Trainingspause von knapp drei Wochen folgt dann der Einstieg in die lange Wintervorbereitung auf eine hoffentlich erfolgreiche Saison 2022.

Schreibe einen Kommentar